Foto von Andrea

Andrea
am Oct. 10, 2020

Erfahrungsbericht von Andrea

Mein größtes Glück, das Ungehorsam meines Hundes!

Für den ein oder anderen mag dieser Satz jetzt ziemlich verwunderlich sein. Das kann ich gut verstehen. Vor einigen Monaten wäre es mir auch so ergangen. Doch heute bin ich unglaublich dankbar dafür, dass mein Pauli mir gezeigt hat, dass etwas in unserer Beziehung falsch läuft. Aber fangen wir ganz am Anfang an.

Pauli kam mit 10 Wochen zu mir. Ich wollte alles perfekt machen und einen sehr gut erzogen Hund haben. Wir haben mit Leckerlis und Korrekturen gearbeitet. Anfangs lief das auch echt gut, doch ich neigte immer mehr dazu, ihn zu kontrollieren. Das hatte zur Folge, dass ich ihn immer mehr korrigierte. Ich hab auf das gehört, was ich von anderen gehört oder gesehen habe, anstatt auf mein Gefühl zu vertrauen. So befanden wir uns in einer Abwärtsspirale, denn Pauli fing an immer mehr auszubrechen und ich korrigierte immer mehr. Er fing an, einfach zu anderen Hunden hin zu stürmen und mich zu ignorieren, in einer Tour zu bellen, wenn Besuch kam, an der Leine war sein Fokus auf alles andere gerichtet und im Freilauf wäre er am liebsten 100m vor mir gelaufen. Ich war ständig frustriert und Pauli oft gestresst. Und dann passierte es schon wieder, Pauli stürmte zu einem fremden Hund. Da beschloss ich, es muss sich was ändern und ich stieß auf Condigno.

Anfangs begleiteten mich viele Zweifel. Wie soll das denn funktionieren, so ganz ohne Kommandos und Korrekturen? Die Liebe Claudi hat sich viel Zeit genommen, alles sehr gut und verständlich zu beschreiben und ich entschloss mich, es einfach zu probieren. Und ganz ehrlich, zwischendurch war es mega anstrengend, es floss die ein oder andere Träne und kleine Zweifel waren immer wieder Begleiter. Aber Claudi stand uns immer zur Seite und hat es jedes Mal geschafft, die richtigen Worte zu finden. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Ich habe nicht an Pauli gearbeitet, sondern an mir. An meiner Einstellung, an meinem Handeln, an meinem Denken. Alles was ich gelernt habe, ist so verständlich und sollte eigentlich auch selbstverständlich sein.

Es machten sich immer mehr Kleinigkeiten bemerkbar, die ich so nicht erwartet hatte. Pauli suchte immer mehr meine Nähe. Er wollte mit mir kuscheln (was davor maximal wenige Minuten von ihm geduldet wurde). Er orientierte sich viel mehr an mir, freute sich riesig über Anerkennung. Wurde viel ruhiger und entspannter. Es wurde eine richtige Freundschaft.

Nun, nachdem wir jetzt einige Monate in der Anwendung sind und es Teil unseres Alltags ist, kann ich sagen, der Weg hat sich mehr als gelohnt. Pauli ist nie mehr zu einem Hund hingerannt, wir gehen entspannt an der Leine, im Freilauf geht er nicht weiter als maximal 15 m vor und meistens ist er sogar ganz nah bei mir, bellt viel weniger, er kann draußen schneller entspannen, springt keinen Besuch mehr an, selbst eine Katze die 5 m vor ihm losrennt interessiert ihn nicht. Ich habe gelernt ihm zu vertrauen und er beweist mir täglich aufs Neue, wie sehr er dieses Vertrauen verdient hat. Und mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich habe die Leine auf einem Spaziergang vergessen und es war trotzdem so entspannt. Egal was uns auf dem Weg begegnet, andere Hunde, Katzen, Kinder ect. Ist nicht wichtig für ihn. Pauli will mich begleiten und orientiert sich ganz freiwillig an mir. Es braucht keine Kommandos oder Korrekturen, um ein entspanntes Leben mit seinem Hund zu haben. Es braucht Verständnis, Vertrauen, ganz viel Reflexion von Seiten des Hundehalters und Anerkennung. Dann kann auch eine unglaublich schöne und vertraute Beziehung zum Hund entstehen.

Ich kann es jedem einfach nur von Herzen empfehlen. Traut euch. Geht einen neuen Weg und öffnet die Tür für eine tiefe Verbundenheit mit eurem Hund.

Claudi, ich möchte dir hier noch einmal von ganzem Herzen danken! Danke, dass du uns begleitet hast, dass du uns immer zur Seite stehst und ein offenes Ohr für uns hast. Danke fürs Augen öffnen!